Caricature

Caricatures. Spott und Humor in Frankreich von 1700 bis in die Gegenwart

09.07.2016 - 06.11.2016

Laufzeit: 9. Juli – 6. November 2016 · Ort: Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover

Worum es ging

Über 170 Werke aus fünf Jahrhunderten zeichneten die Geschichte der französischen Karikatur nach, von Jacques Callot über Honoré Daumier bis zu Jean-Jacques Sempé und den Zeichnern von Charlie Hebdo. Anlass war auch der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015, der die Frage nach den Grenzen der Satire neu aufwarf – im Kern Kurt Tucholskys „Was darf die Satire?“.

Bereits im 17. Jahrhundert zeigte Jacques Callot in seinen Grafikfolgen Menschen am Rand der Gesellschaft und legte mit Folgen wie „Balli di Sfessania“ den Grund für eine Tradition, die Humor mit Gesellschaftskritik verbindet. Mit der Revolution von 1789 wurde die politische Karikatur in Frankreich zum populären Printmedium; im 19. Jahrhundert machte die Lithografie sie zum Massenmedium. Ein Meilenstein war die 1830 von Charles Philipon gegründete Zeitschrift „La Caricature“, in der Grandville und Honoré Daumier König Louis-Philippe attackierten – wofür Daumier 1832 sechs Monate ins Gefängnis musste und die Zeitschrift 1835 nach Einführung der Bildvorzensur eingestellt wurde. Daumier prägte mit Figuren wie „Robert Macaire“ und „Ratapoil“ die Karikaturgeschichte weiter; ab 1865 wurde André Gill mit großformatigen Porträtkarikaturen in „La Lune“ und „L’Éclipse“ bekannt. Bis zum Ersten Weltkrieg blühten satirische Zeitschriften wie „L’Assiette au Beurre“, „Le Petit Journal“ und „Le Rire“.

Im 20. und 21. Jahrhundert reichte das Spektrum von Albert Dubouts Katastrophenszenen über Tomi Ungerers subversiven Witz bis zu Jean-Jacques Sempés melancholischem Humor, Roland Topors Phantastik und Claire Brétéchers Gesellschaftssatiren – eine Tradition, in der auch die Zeichner von Charlie Hebdo stehen.

Die Exponate stammten überwiegend aus der Sammlung des Museums Wilhelm Busch, ergänzt durch Leihgaben. Der rund 160-seitige Katalog enthielt Beiträge von Gisela Vetter-Liebenow, Ursula E. Koch und Rolf Reichardt sowie ein Interview mit Asiem El Difraoui.

Quelle

Pressemitteilung des Museums Wilhelm Busch; Ernst von Siemens Kunststiftung (Katalogförderung).