Nicolas Mahler - Interview

Wilhelm-Busch-Preis 2026 an Nicolas Mahler verliehen

Am 17. September 2026 ist der Wilhelm-Busch-Preis im Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen an den Wiener Comiczeichner und Illustrator Nicolas Mahler verliehen worden. Die Jury – Dr. Eva Jandl-Jörg, Martin Jurgeit, Tillmann Prüfer und Martin Sonntag – begründete ihre Wahl mit Mahlers reduziertem Zeichenstil, seinem trockenen Humor und seinem Anteil an der öffentlichen Aufwertung des Comics. Die Entscheidung für Mahler war bereits im Februar 2026 bekanntgegeben worden. Moderiert wurde der Abend von Jan Starkebaum und Frank Suchland; im selben Rahmen wurde auch der Hans-Huckebein-Preis für humoristische und satirische Versdichtung vergeben.

Die Laudatio hielt die österreichische Schriftstellerin und bildende Künstlerin Teresa Präauer unter dem Titel „Im Strudel von Nicolas Mahler“. Sie näherte sich seinem Werk über mehrere Vorlieben: die Liebe zu Büchern, Sprache, Bildern, Comics, Humor und Schwärze. Für Präauer verbinden Wilhelm Busch und Nicolas Mahler Bild, Sprache und schwarzen Humor auf ähnliche Weise. Sie erinnerte an Buschs lautmalerische Wörter und an die drastischen, moralisch wie amoralisch lesbaren Bildergeschichten, die schon Kindern ihre Wirkung nicht vorenthalten. Den schwarzen Tintenkringel bezeichnete sie als Mahlers produktivstes Mittel und zugleich als Portal in seine Bildwelt: Haarbüschel, Figur, Bierglas, Gedankenwolke, „Strudel“ im doppelten Sinn von Sog und Wiener Mehlspeise.

Präauer verband Buschs Bild vom Menschen als „lederne[m] Sack voller Kniffe und Pfiffe“ mit Mahlers kasten-, sack- und schachtelartigen Figuren mit langen Nasen und kurzen Beinen. Reduktion legt für sie den Charakter frei: Aus der Beobachtung bleibt das Charakteristische, Komische und mitunter Hässliche übrig. Witz entstehe aus stiller Beobachtung, die am Schreibtisch durch genaue Beschreibung und Übertreibung zur Komik werde. Persönlich wurde die Laudatorin bei Mahlers Buch „Kunsttheorie versus Frau Goldgruber“: Als Kunststudentin habe sie darin eigene Erfahrungen mit Behörden und Geldfragen wiedererkannt, das befreiende Lachen darüber sei ihr Einstieg in Mahlers Werk gewesen. „Vereinfachung trifft dort auf Komplexes“, sagte Präauer, und: „Der Horror findet seinen Anfang im Banalen und Alltäglichen.“ Am Ende griff sie Mahlers „Das kleine Einschlafbuch für Große“ auf und gratulierte ihm zur Erfüllung eines Kindheitswunsches.

In seiner bebilderten Dankesrede erzählte Mahler von seiner frühen Begegnung mit Wilhelm Busch: Bei den Großeltern sei der dicke Busch-Band das interessanteste verfügbare Buch gewesen, und daraus habe er früh mitgenommen, dass Zeichnungen und kurze Texte ein großes Publikum erreichen können. Seine älteste erhaltene Bild-Text-Arbeit entstand als Schulaufgabe über die Pfingstferien; eine Lehrerin strich ihm Passagen als „langweilig“ an, was er im Rückblick als frühen Hinweis auf die Schwierigkeit der Kombination von Bild und Text wertet. Weil er zunächst keinen Verlag fand, vervielfältigte er Mini-Comics im Copyshop und verkaufte sie über einen Comicautomaten am Wiener Stephansplatz.

Mahler beschrieb seine reduzierte Zeichenweise als Ergebnis viel Vorarbeit: Die erste Skizze sei oft lebendiger als eine ausgearbeitete, aber „totere“ Reinzeichnung. Technische Schönheit sei für humoristische Zeichnungen zweitrangig, eine ungelenke, aber direkte und witzige Zeichnung sei ihm lieber. Die langen Nasen seiner Figuren erklärte er praktisch: Da Augen und Münder fehlen, zeigt die Nase, wohin eine Figur blickt. Im anschließenden Gespräch erläuterte er die KABINETT Comic Passage im Wiener MuseumsQuartier, die er 2003 gemeinsam mit Rudi Klein und Heinz Wolf als „KABINETT für Wort und Bild“ gründete und die seit 2006 ihren heutigen Namen trägt: ein Durchgangsraum mit drei Automaten für Comichefte und zwei Vitrinen für Originalzeichnungen. Zur Zukunft des Comics äußerte er sich vorsichtig: Das Medium habe die frühere Schmuddelecke verlassen, zugleich seien Comics teurer und die Auflagen kleiner geworden. Eine Reichweite wie zu Buschs Zeiten hält er unter heutigen Bedingungen für kaum wiederholbar. Mahlers Werke sind in 14 Sprachen erschienen.

Parallel zur Preisverleihung zeigt das Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl bis zum 21. März 2027 die Ausstellung „Nicolas Mahler. Wilhelm-Busch-Preis 2026“ mit Originalen und Drucken, darunter Arbeiten zu seinen Literaturadaptionen von Marcel Proust und Franz Kafka sowie eigenständige Cartoons. Die Ausstellung wurde am 16. September 2026 eröffnet; Mahler sprach dort mit Jurymitglied Dr. Eva Jandl-Jörg.

  • Preisträger: Nicolas Mahler, Comiczeichner und Illustrator aus Wien
  • Dotierung: 10.000 Euro, gestiftet von Sparkasse Schaumburg, Schaumburger Landschaft und Schaumburger Nachrichten
  • Verleihung: 17. September 2026, Wilhelm-Busch-Gymnasium Stadthagen
  • Laudatio: Teresa Präauer
  • Moderation: Jan Starkebaum und Frank Suchland
  • Im selben Rahmen: Verleihung des Hans-Huckebein-Preises für humoristische und satirische Versdichtung

Quelle

Wilhelm-Busch-Preis, offizielle Preisträgerseite; Schaumburger Landschaft; Redakteur Jörg Spieler vor Ort.