In der Kunstklinik Eppendorf in Hamburg sind bis zum 9. Oktober 2026 zwei zusammengehörige Ausstellungen zu sehen: die autobiografische Graphic Novel „Drei Steine“ von Nils Oskamp und die Fotodokumentation „Gedenkstätten der NS-Verbrechen“ von Maria Zarada. Eröffnet wurde die Doppelausstellung am 28. August mit einer Führung, einem Podiumsgespräch und einer Lesung; der Eintritt ist frei.
„Drei Steine“ erzählt Oskamps Jugend in Dortmund-Dorstfeld in den 1980er-Jahren. Nachdem er der Holocaustleugnung eines Mitschülers widersprochen hatte, geriet er ins Visier der örtlichen Neonaziszene und überlebte zwei Mordanschläge. Der Band erschien 2016 und war zuerst auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen zu sehen. Die Kunstklinik zeigt Originalzeichnungen, Vorstudien und Storyboards; es ist die 25. Station der Ausstellung.
Die zweite Ausstellung versammelt Fotografien von Maria Zarada: 56 Gedenkstätten in Deutschland und Europa, darunter frühere Konzentrationslager, Deportationsorte und Stätten der Zwangsarbeit. Zarada, deren Familie im Holocaust verfolgt und ermordet wurde, war mit dieser Arbeit für den Leica Oskar Barnack Award nominiert. Text und Gestaltung stammen von Nils Oskamp, die historische Beratung von Gerald Hartwig.
Auf dem Podium des Eröffnungsabends sprachen Ibrahim Arslan und Nils Oskamp. Arslan überlebte 1992 als Siebenjähriger den rechtsterroristischen Brandanschlag von Mölln, bei dem seine Großmutter Bahide Arslan, seine Schwester Yeliz Arslan und seine Cousine Ayşe Yılmaz starben. Er ist seit 2007 in der historisch-politischen Bildung tätig.
Während der Laufzeit gibt es ein Begleitprogramm für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 8, Berufsschulen und die Erwachsenenbildung: moderierte Führungen, eine sprachlich reduzierte Lesung, einen Film- und Social-Media-Workshop sowie ein Scrap-Booking-Projekt zu Stolperstein-Biografien aus dem Stadtteil, gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt Eppendorf. Trägerin ist die gemeinnützige Pro-Epilog gUG aus Hamburg; gefördert wird die Doppelausstellung von der Bezirksversammlung Hamburg-Nord und der Partnerschaft für Demokratie Hamburg-Nord.
„Drei Steine“ verbindet Bild und Text zu einer eigenen Erzählform und steht damit in der Linie, die auch Wilhelm Buschs Bildergeschichten geprägt haben. Der Ausgangspunkt des Bandes, der Widerspruch gegen Holocaustleugnung, berührt zugleich eine Frage, die Buschs eigenes Werk betrifft: die antisemitischen Bildstereotype seiner Zeit. Weitere Neuerscheinungen bespricht die Übersicht Comics und Graphic Novels bei Wilhelm Busch.
- Ausstellung: Doppelausstellung „Drei Steine“ und „Gedenkstätten der NS-Verbrechen“, bis 9. Oktober 2026
- Ort: Kunstklinik Eppendorf, Martinistraße 44a, 20251 Hamburg
- Eröffnet: 28. August 2026 mit Podium (Ibrahim Arslan, Nils Oskamp) und Lesung, Eintritt frei
- Für Schulen und Gruppen: Führungen und Workshops über die gesamte Laufzeit, Anfrage über den Veranstalter
Quelle
dreisteine.com, Pro-Epilog gUG, Hamburg.
