Max und Moritz – Dritter Streich – Schneider Böck

Im dritten Streich nehmen sich Max und Moritz den Dorfschneider Böck vor. Sie sägen den Steg vor seinem Haus an; als Böck über die Brücke stürmt, bricht sie ein und er fällt in den Bach. Ein Gänsepaar zieht ihn heraus, danach kuriert ihn seine Frau mit einem heißen Bügeleisen.

Jedermann im Dorfe kannte
Einen, der sich Böck benannte. –

Schneider Böck, der Dorfschneider, mit der Elle in der Hand

– Alltagsröcke, Sonntagsröcke,
Lange Hosen, spitze Fräcke,
Westen mit bequemen Taschen,
Warme Mäntel und Gamaschen –
Alle diese Kleidungssachen
Wußte Schneider Böck zu machen. –
– Oder wäre was zu flicken,
Abzuschneiden, anzustücken,
Oder gar ein Knopf der Hose
Abgerissen oder lose –
Wie und wo und was es sei,
Hinten, vorne, einerlei –
Alles macht der Meister Böck,
Denn das ist sein Lebenszweck. –
– Drum so hat in der Gemeinde
Jedermann ihn gern zum Freunde. –
– Aber Max und Moritz dachten,
Wie sie ihn verdrießlich machten. –
Nämlich vor des Meisters Hause
Floß ein Wasser mit Gebrause.

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 1)

Übers Wasser führt ein Steg
Und darüber geht der Weg. –

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 2)

Max und Moritz, gar nicht träge,
Sägen heimlich mit der Säge,
Ritzeratze! voller Tücke,
In die Brücke eine Lücke. –

Als nun diese Tat vorbei,
Hört man plötzlich ein Geschrei:

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 3)

„He, heraus! du Ziegen-Böck!
Schneider, Schneider, meck, meck, meck!!“ –
– Alles konnte Böck ertragen,
Ohne nur ein Wort zu sagen;
Aber wenn er dies erfuhr,
Ging’s ihm wider die Natur. –

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 4)

Schnelle, springt er mit der Elle
Über seines Hauses Schwelle,
Denn schon wieder ihm zum Schreck
Tönt ein lautes: „Meck, meck, meck!!“

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 5)

Und schon ist er auf der Brücke,
Kracks! Die Brücke bricht in Stücke;

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 6)

Wieder tönt es: „Meck, meck, meck!“
Plumps! da ist der Schneider weg!
Grad als dieses vorgekommen,
Kommt ein Gänsepaar geschwommen,

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 7)

Welches Böck in Todeshast
Krampfhaft bei den Beinen faßt.

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 8)

Beide Gänse in der Hand,
Flattert er auf trocknes Land. –

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 9)

Übrigens bei alledem
Ist so etwas nicht bequem;

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 10)

Wie denn Böck von der Geschichte
Auch das Magendrücken kriegte.

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 11)

Hoch ist hier Frau Böck zu preisen!
Denn ein heißes Bügeleisen,
Auf den kalten Leib gebracht,

Illustration von Wilhelm Busch zu Max und Moritz, Dritter Streich (Zeichnung 12)

Hat es wieder gut gemacht. –
– Bald im Dorf hinauf, hinunter,
Hieß es Böck ist wieder munter!! –

Dieses war der dritte Streich,
Doch der vierte folgt sogleich.

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Worum es geht

Schneider Böck ist im Dorf beliebt und für jede Näharbeit zu haben. Max und Moritz sägen den Holzsteg vor seinem Haus an und locken ihn mit Rufen wie „Meck, meck, meck!“ nach draußen. Böck läuft über die Brücke, sie bricht, und er fällt in den Bach. Er klammert sich an ein vorbeischwimmendes Gänsepaar, das ihn ans Ufer trägt. Zu Hause kuriert seine Frau die Unterkühlung mit einem heißen Bügeleisen auf dem Bauch.

Figuren im dritten Streich

Schneider Böck ist der Dorfschneider, ein geschätzter Handwerker. Der Spottruf „Ziegen-Böck“ bringt ihn aus der Fassung – darauf zielt der Streich. Frau Böck pflegt ihn danach wieder gesund.

Quelle

Wilhelm Busch: Max und Moritz. Eine Bubengeschichte in sieben Streichen. Braun & Schneider, München 1865. Verstext nach Wilhelm Busch: Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band 1 (wiedergegeben bei Wikisource).