„Strebsam“ ist ein ironisches Spruchgedicht aus Wilhelm Buschs Sammlung „Zu guter Letzt“ (1904).
Mein Sohn, hast du allhier auf Erden
Dir vorgenommen, was zu werden,
Sei nicht zu keck;
Und denkst du, sei ein stiller Denker.
Nicht leicht befördert wird der Stänker.
Mit Demut salbe deinen Rücken,
Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken,
Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen,
Denn selbstverständlich nur durch Lügen
Kommst du vom Fleck.
Oh, tu’s mit Eifer, tu’s geduldig,
Bedenk, was du dir selber schuldig.
Das Gönnerherz wird sich erweichen,
Und wohl verdient wirst du erreichen
Den guten Zweck.
Zum Gedicht
Der Vater rät dem Sohn zu Demut, Ehrfurcht und Anpassung – und meint das Gegenteil: Wer vorankommen will, muss heucheln, schmeicheln und lügen, „denn selbstverständlich nur durch Lügen / Kommst du vom Fleck“.
Weitere Gedichte aus „Zu guter Letzt“
Quelle
Wilhelm Busch: Zu guter Letzt. Bassermann, München 1904. Text nach Wikisource (Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band 4).