Glaube

„Glaube“ ist ein Gedankengedicht aus Wilhelm Buschs Sammlung „Zu guter Letzt“ (1904).

Stark in Glauben und Vertrauen,
Von der Burg mit festen Türmen
Kannst du dreist herniederschauen,
Keiner wird sie je erstürmen.

Laß sie graben, laß sie schanzen,
Stolze Ritter, grobe Bauern,
Ihre Flegel, ihre Lanzen
Prallen ab von deinen Mauern.

Aber hüte dich vor Zügen
In die Herrschaft des Verstandes,
Denn sogleich sollst du dich fügen
Den Gesetzen seines Landes.

Bald umringen dich die Haufen,
Und sie ziehen dich vom Rosse,
Und du mußt zu Fuße laufen
Schleunig heim nach deinem Schlosse.

Zum Gedicht

Der Glaube erscheint als uneinnehmbare Burg – solange er in seinem eigenen Bereich bleibt. Betritt er „die Herrschaft des Verstandes“, unterliegt er dessen Gesetzen und muss zu Fuß heim.

Weitere Gedichte aus „Zu guter Letzt“

Quelle

Wilhelm Busch: Zu guter Letzt. Bassermann, München 1904. Text nach Wikisource (Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band 4).