Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.

Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht?
Im Namen Seiner Majestät
Geh her und übergib dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weiter sprechen!

Und alsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

Herkunft

Das Gedicht „Bewaffneter Friede“ steht in Wilhelm Buschs letzter Verssammlung Zu guter Letzt (1904). Busch greift damit ein im späten 19. Jahrhundert geläufiges Schlagwort für die Hochrüstung der europäischen Großmächte in Friedenszeiten auf.

Vollständiges Gedicht mit Hintergrund · Weitere Zitate von Wilhelm Busch

Quelle

Wilhelm Busch: Zu guter Letzt. Bassermann, München 1904. Text nach der Historisch-kritischen Gesamtausgabe (Band 4).