Zusammenfassung:
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Erscheinungsjahr: 1879 (Bassermann Verlag).
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Umfang: 12 Kapitel in Versform mit charakteristischen Illustrationen.
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Thematik: Konflikt zwischen Natur und Zivilisation, Kritik an bürgerlicher Doppelmoral.
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Protagonisten: Fipps, Dr. Fink, Jette, Elise, Bauer Dümmel.
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Besonderheit: Tragisches Ende durch Erschießen; nur das Kind Elise zeigt wahre Empathie.
„Fipps, der Affe“ zählt zu den umfangreichsten und zugleich ambivalentesten Bildergeschichten von Wilhelm Busch. Veröffentlicht im Jahr 1879, markiert das Werk eine Phase, in der Busch seine zeichnerische Meisterschaft perfektioniert hatte, um menschliche Schwächen in tierischer Gestalt zu entlarven.
Von Afrika nach Bremen: Die Reise des Unheils
Die Erzählung beginnt mit dem berühmten Stoßseufzer: „Pegasus, du alter Renner, Trag mich mal nach Afrika…“. Dort wird der junge Affe Fipps nach einem handgreiflichen Konflikt mit einem Einheimischen von Seeleuten gefangen genommen und nach Bremen verschleppt. In der Hansestadt wechselt er mehrfach den Besitzer, unter anderem landet er beim Friseur Meister Krüll, den er durch seine Nachahmungsgabe in den Wahnsinn treibt, indem er einen Kunden malträtiert.
Das bürgerliche Heim als Schauplatz der Tücke
Seinen festen Platz findet Fipps schließlich im Haushalt von Doktor Fink. Hier entfaltet sich das volle Spektrum von Buschs Humor – und seiner Grausamkeit. Fipps gerät in ständige Konflikte mit dem Personal (dem Kindermädchen Jette) und den Haustieren Gripps (Katze) und Schnipps (Hund). Legendär ist die Szene mit der Wespe in der Papiertüte, ein klassisches Beispiel für Buschs Motiv der „Tücke des Objekts“ und der gegenseitigen Schadenfreude.
Ein tragisches Ende mit moralischem Zeigefinger
Wie so oft bei Busch endet die Geschichte nicht mit einer Versöhnung, sondern mit dem Tod. Nachdem Fipps beim Bauern Dümmel erneut Unheil angerichtet hat, wird er auf der Flucht erschossen. Während die Erwachsenen und die anderen Tiere erleichtert reagieren, ist es allein das kleine Mädchen Elise, das Mitgefühl zeigt. Busch schließt mit der mahnenden Erkenntnis: „Jeder kriegt, was jeder tut. Schlechtigkeit bekommt nicht gut.“
Quellen & Belege
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Primärquelle: Busch, Wilhelm: Fipps, der Affe. München: Bassermann Verlag, 1879.
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Biografischer Bezug: Busch thematisiert hier indirekt die Evolutionstheorie Darwins, die in den 1870er Jahren im Fokus der öffentlichen Debatte stand.
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Referenz: Historisch-kritische Gesamtausgabe, bearbeitet von Friedrich Bohne (1959).
Hörbuch
Hörbuch zu Fipps der Affe Dieses Video bietet eine vollständige Lesung der Geschichte, was ideal ist, um den Rhythmus von Buschs Versen und die Abfolge der Kapitel auditiv zu erfassen.


