„Der alte Narr“ ist ein Erzählgedicht aus Wilhelm Buschs Sammlung „Zu guter Letzt“ (1904).
Ein Künstler auf dem hohen Seil,
Der alt geworden mittlerweil,
Stieg eines Tages vom Gerüst
Und sprach: Nun will ich unten bleiben
Und nur noch Hausgymnastik treiben,
Was zur Verdauung nötig ist.
Da riefen alle: Oh, wie schad!
Der Meister scheint doch allnachgrad
Zu schwach und steif zum Seilbesteigen!
Ha! denkt er. Dieses wird sich zeigen!
Und richtig, eh der Markt geschlossen,
Treibt er aufs neu die alten Possen
Hoch in der Luft und zwar mit Glück,
Bis auf ein kleines Mißgeschick.
Er fiel herab in großer Eile
Und knickte sich die Wirbelsäule.
Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm!
So äußert sich das Publikum.
Zum Gedicht
Der alternde Seiltänzer will aufhören, lässt sich aber vom Spott der Menge noch einmal aufs Seil treiben und stürzt. Das Urteil des Publikums bleibt dasselbe – nur der Anlass hat sich gedreht: „Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm!“
Weitere Gedichte aus „Zu guter Letzt“
Quelle
Wilhelm Busch: Zu guter Letzt. Bassermann, München 1904. Text nach Wikisource (Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band 4).