Wenn Lausbuben singen: Heinrich Sutermeisters „Max und Moritz“ in Chur

Die zeitlose Genialität von Wilhelm Busch findet ihre Fortsetzung nicht nur in der grafischen Literatur, sondern auch in der klassischen Musik. Das Berner Ensemble Canto Classico, unter der versierten Leitung von Willi Derungs, hat sich im Rahmen eines Konzerts in Chur der anspruchsvollen Aufgabe gewidmet, Buschs meistverkauftes Werk „Max und Moritz“ in der musikalischen Interpretation von Heinrich Sutermeister auf die Bühne zu bringen. Sutermeister, einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts, gelang es, die pointierte Ironie und den unnachahmlichen Rhythmus der Busch-Verse in eine lebendige Klangsprache für Solisten, Vokalensemble und Klavier zu übersetzen.

Die Symbiose von Humor und Harmonik

Heinrich Sutermeister, bekannt für seine Nähe zur literarischen Vorlage, nutzt in seiner Komposition die strukturelle Klarheit der sieben Streiche. Wilhelm Buschs „Max und Moritz“, das allein in Deutschland über 70 Millionen Mal verkauft wurde, bietet durch seine jambische Metrik eine ideale Grundlage für die vokale Umsetzung. Sutermeister fängt die Boshaftigkeit der Streiche ebenso ein wie die moralisierende Distanz des Erzählers. Dabei zeigt sich die tiefe Verbindung zwischen Buschs Erbe, das oft als Vorläufer des modernen Comics bezeichnet wird, und der narrativen Kraft der Musik. Busch selbst veröffentlichte zeit seines Lebens über 30 Bildergeschichten, deren sprachliche Präzision bis heute Komponisten weltweit inspiriert.

Canto Classico: Botschafter der Schweizer Vokalmusik

Das Ensemble Canto Classico hat es sich zur Aufgabe gemacht, verborgene Schätze der Schweizer Musikliteratur zu heben. Neben Sutermeister standen im Programm von Chur auch Werke von Tullio Zanovello und Duri Sialm im Fokus. Während Zanovello mit dem Arien-Zyklus „Ohne Kunst kein Leben“ philosophische Töne anschlug, brachte Sialm mit rätoromanischen Liedern den regionalen Bezug zu Graubünden ein. Diese Kombination unterstreicht den hohen kulturellen Anspruch des Projekts, das Wilhelm Buschs Werk – welches in über 200 Sprachen übersetzt wurde – in einen neuen, hochkarätigen Kontext stellt.

Zusammenfassende Würdigung

Die Aufführung in Chur beweist einmal mehr die ungebrochene Relevanz von Wilhelm Busch für die zeitgenössische Kultur. Durch die Vertonung von Heinrich Sutermeister wird die „grafische Literatur“ Buschs um eine akustische Dimension erweitert. Es ist die gelungene Verbindung aus volkstümlichem Humor und akademischer Musiktradition, die zeigt, warum Buschs Werk auch über 100 Jahre nach seinem Tod ein fester Bestandteil des europäischen Bildungskanons bleibt.


Veranstaltungsinformationen

  • Titel: Canto Classico – Musica Svizra

  • Datum: Herbst 2025

  • Ort: Chur, Graubünden (Schweiz)

  • Leitung: Willi Derungs

  • Ensemble: Canto Classico (Bern)

  • Programm: Heinrich Sutermeister („Max und Moritz“), Tullio Zanovello, Duri Sialm.

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