Den Wilhelm-Busch-Preis 2017 erhielt der Comic-Zeichner Ralf König für sein Lebenswerk. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Schaumburger Landschaft, den Schaumburger Nachrichten und der Sparkasse Schaumburg vergeben.
Zur Person
Ralf König zählt zu den international bekanntesten deutschen Comic-Zeichnern. Seine Arbeiten erscheinen weltweit; auf Festivals wie in Angoulême oder Lucca wurde er mehrfach ausgezeichnet, viermal auch mit einem Max-und-Moritz-Preis auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen.
Seinen Durchbruch erzielte der 1960 in Soest geborene, seit Langem in Köln lebende Zeichner mit Der bewegte Mann. Das 1987 erschienene und 1994 verfilmte Buch setzte mit über hundert Seiten auf ein langes Erzählformat, das dem deutschen Publikum aus Comic-Heften und -Alben bis dahin fremd war, und machte König zu einem wichtigen Wegbereiter der Graphic Novel. Zuvor hatte er vor allem mit Kurzgeschichten Aufsehen erregt, die er seit Anfang der 1980er-Jahre in seinen Schwul-Comix veröffentlichte; seither wird er wahlweise als „wichtigster Chronist“ oder „bedeutendster Sympathieträger“ der Schwulenbewegung bezeichnet.
Nähe zu Wilhelm Busch
König bewahrt sich eine große formale Flexibilität, die allein den Inhalten verpflichtet ist – so wie es schon Wilhelm Busch hielt. Buschs Bildergeschichten weckten sein Interesse an der Form früh: Im elterlichen Haushalt entdeckte er Das große Wilhelm-Busch-Album, das ihm ein wichtiger Wegbegleiter blieb.
Wie Busch wendet sich König gegen Versuche, das freie Denken einzuschränken. Immer wieder sorgte er mit der Auseinandersetzung mit Religionsthemen für Aufsehen – im zweibändigen Dschinn Dschinn, in seinen zum Karikaturenstreit entstandenen Cartoons oder in seiner Bibel-Trilogie, die teilweise in der F.A.Z. vorabgedruckt wurde. Damit stellt er sich in eine direkte Nachfolge Wilhelm Buschs, der sich wegen der Geschichte Der heilige Antonius von Padua selbst dem Vorwurf der „Herabwürdigung der Religion“ ausgesetzt sah. Aus dieser Geistesverwandtschaft heraus interpretierte König 2008 zum 100. Todestag Buschs dessen bekannteste Figuren Max und Moritz für das Ausstellungs- und Buchprojekt Wilhelm Busch und die Folgen neu.
Jury des Wilhelm-Busch-Preises 2017
- Prof. Dr. Hans-Georg Bögner – Sparkassenstiftung Kultur / SK-Stiftung Jugend und Medien, Köln-Bonn
- Prof. Dr. Dietrich Grünewald – Universität Koblenz-Landau, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Comicforschung
- Martin Jurgeit – Kurator und Redakteur, JNK Verlag Berlin
- Dr. Gisela Vetter-Liebenow – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover
Bildnachweis
Fotos: vvg.



