Frank Suchland und Florian Kottmair auf der Bühne beim Hans-Huckebein-Preis 2026

Hans-Huckebein-Preis 2026 geht an Florian Kottmair

Der Hans-Huckebein-Preis 2026 für humoristische und satirische Versdichtung geht an Florian Kottmair aus Dasing bei Augsburg. Ausgezeichnet wurde sein Gedicht „Planmäßig“, eine gereimte Satire auf Verspätungen und Pannen bei Bahnreisen. Die Jury entschied sich 2026 für einen einzigen Preisträger, der damit das gesamte Preisgeld von 2.500 Euro erhält. Verliehen wurde der Preis am 17. September 2026 im Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen, im selben Rahmen wie der Wilhelm-Busch-Preis an den Comiczeichner Nicolas Mahler.

Der Preisträger: Florian Kottmair

Florian Kottmair wurde 1979 geboren und lebt in Dasing bei Augsburg. Er ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und arbeitet als Softwareentwickler im Verlagswesen; das Schreiben ist für ihn ein Ausgleich zum Berufsalltag. Neben Gedichten verfasst er nach Angaben des Jury-Vorsitzenden Frank Suchland auch Kriminalromane, Kinderbücher und Programmierhandbücher. Kottmair war bereits 2024 beim Hans-Huckebein-Preis ausgezeichnet worden: Für „Langer Sonntag“ erhielt er damals einen zweiten Preis. Suchland sprach deshalb scherzhaft von einem „Wiederholungstäter“.

Die Beiträge wurden anonym beurteilt: Die Jury kannte bei ihrer Entscheidung die Namen der Einsenderinnen und Einsender nicht und erfuhr erst nach der Wahl des Textes, dass „Planmäßig“ von Kottmair stammt. Nach Suchlands Angaben lagen knapp 100 Einsendungen aus ganz Deutschland vor.

Das Gedicht „Planmäßig“

Kottmairs Text deutet die üblichen Ärgernisse einer Bahnreise konsequent um: Stillstände, Zugausfälle und organisatorische Pannen erscheinen darin als bewusstes Angebot zur Entschleunigung, zur Pflege sozialer Kontakte, zur körperlichen Ertüchtigung und sogar zur religiösen Besinnung. Geschlossene Bordbistros, gesperrte Aufzüge, kurzfristige Gleiswechsel und stornierte Reservierungen werden zu Elementen eines Fitnessprogramms; ein fingierter interner Rundbrief der Bahn stellt Verzögerungen als Programm für mentale Gesundheit dar. Der Titel „Planmäßig“ verweist auf den Fahrplan und behauptet zugleich, das scheinbare Chaos sei beabsichtigt: „Hinter dem Wahnsinn verbirgt sich Methode.“

Vorgetragen wurde das Gedicht bei der Verleihung nicht von Kottmair selbst, sondern von Frank Suchland, der in der Anmoderation als Autor und Rezitator der Jury vorgestellt wurde. Kottmair sprach erst danach, mit einer eigenen kurzen gereimten Dankesrede.

Die Jurybegründung

Frank Suchland erklärte, über die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn seien bereits viele heitere Verse geschrieben worden. Kottmairs Text behandle das Thema nach Auffassung der Jury jedoch „mit viel Raffinesse und spitzbübischem Charme“. Die Jury hob hervor, wie er das Verspätungschaos auf der Schiene mit Begriffen wie Entschleunigung, Selbstoptimierung und Achtsamkeit verbindet, sowie die handwerkliche Präzision und den Wortschatz der Verse.

Entstehung und Dankesrede

Im Gespräch nach der Preisübergabe erzählte Kottmair, wie der Text entstand: Bei einer früheren Fahrt ab Augsburg blieb sein Zug nach etwa 30 Kilometern bei Haspelmoor stehen. Kühe standen auf dem Gleis, die Reisenden mussten aussteigen, die Bundespolizei wurde hinzugezogen – die Unterbrechung dauerte rund zwei Stunden. Aus dieser Zwangspause sei die Ruhe und die Inspiration für „Planmäßig“ entstanden. Zur Verleihung selbst war Kottmair vorsichtshalber bereits einen Tag früher mit der Bahn angereist.

In seiner gereimten Dankesrede griff Kottmair das Thema auf: Seine Verse könnten zunächst wie Hohn und Sarkasmus gegenüber der Bahn wirken, tatsächlich verdanke er der Zwangspause bei Haspelmoor aber die Ruhe für das Gedicht. Er dankte der Jury, den Helferinnen und Helfern, der Schaumburger Landschaft – und mit einer letzten Pointe der Deutschen Bahn. Moderator Jan Starkebaum nannte das Gedicht anschließend versöhnlich: „Das hat so etwas Versöhnliches“, es habe zwar „ein bisschen Zack drin, aber man wird der Bahn nicht böse“.

Musikalischer Rahmen

Eröffnet wurde der Abend musikalisch vom Sevdah-Duo mit eigenen Interpretationen der Préludes Nr. 1 und 3 von George Gershwin: Goran Stevanovich an Akkordeon und Yannick Hettich an Bratsche. Nach der Preisvergabe leitete Starkebaum mit einer kurzen Erklärung zur Sevdah-Musik, einer Liebes- und Volksmusik aus der Balkanregion, zu einem weiteren Stück des Duos über.

  • Preisträger: Florian Kottmair, Dasing bei Augsburg
  • Ausgezeichnetes Werk: „Planmäßig“
  • Dotierung: 2.500 Euro
  • Verleihung: 17. September 2026, Wilhelm-Busch-Gymnasium Stadthagen
  • Moderation: Jan Starkebaum; Jurybegründung und Vortrag des Gedichts: Frank Suchland
  • Im selben Rahmen: Verleihung des Wilhelm-Busch-Preises an Nicolas Mahler

Quelle

Hans-Huckebein-Preis, offizielle Preisseite; Schaumburger Nachrichten; Redakteur Jörg Spieler vor Ort.