Max und Moritz und Mawil Max und Moritz und Mawil

Mawilhelm: Wenn der bebrillte Hase auf den Urvater der Bildergeschichte trifft

27.06.2022 - 04.06.2023

Das Wichtigste in Kürze (Quick-Info)

  • Thema: Werkschau des Berliner Comic-Zeichners Mawil, Wilhelm-Busch-Preisträger 2021.

  • Inhalt: Verbindung von Buschs Erbe mit moderner Comic-Kultur, inklusive bekannter Werke wie „Lucky Luke“.

  • Ort: Wilhelm Busch Geburtshaus, Wiedensahl [Quelle: wilhelm-busch-land.de].

  • Besonderheit: Fokus auf autobiografisches Erzählen und den bebrillten „Hasen“-Protagonisten.

Von der Berliner Vorstadt in den Georgengarten und nach Wiedensahl: Markus Witzel, besser bekannt als Mawil, hat das Erbe Wilhelm Buschs im 21. Jahrhundert nicht nur angetreten, sondern es mit einer Prise Alltagsmelancholie und rasantem Strich neu definiert. Als Wilhelm-Busch-Preisträger 2021 zeigt er in seiner Ausstellung „Mawilhelm“, dass die Brücke zwischen dem 19. Jahrhundert und der modernen Graphic Novel kürzer ist, als viele vermuten.

Die Schau, die im Wilhelm Busch Geburtshaus in Wiedensahl Station machte, ist weit mehr als eine reine Werkschau. Sie ist eine Verbeugung vor der erzählerischen Präzision Buschs, übersetzt in die Ästhetik der Gegenwart. Mawil, 1976 in Ost-Berlin geboren, nutzt sein Alter Ego – einen schüchternen, bebrillten Hasen –, um von den Tücken des Alltags, von der Liebe und dem Scheitern zu berichten [Quelle: wilhelm-busch-land.de]. Es ist genau dieser Blick für die menschlichen Unzulänglichkeiten, der ihn zum geistigen Erben des großen Satirikers macht, der einst mit über 30 veröffentlichten Bildergeschichten die Welt der grafischen Erzählung revolutionierte.

Zwischen „Strandsafari“ und „Lucky Luke“: Mawils zeichnerischer Kosmos

Mawils Weg zum Wilhelm-Busch-Preis war geprägt von einer stetigen Weiterentwicklung der klassischen Bilderfolge. Schon mit seinem ersten längeren Album „Strandsafari“ im Jahr 2002 etablierte er einen Stil, der humorvoll, aber auch tiefgründig von den Stolpersteinen des Lebens erzählt [Quelle: wilhelm-busch-land.de]. Die Ausstellung beleuchtet diesen Werdegang und zeigt, wie Mawil die Dynamik von Buschs Geschichten – man denke an das rasante Tempo von „Max und Moritz“ – in seine eigenen Arbeiten integriert.

Ein besonderer Höhepunkt der künstlerischen Karriere Mawils, der auch in der Rezeption seiner Werke immer wieder eine Rolle spielt, war die Ehre, als erster deutscher Zeichner einen „Lucky Luke“-Hommage-Band zu gestalten. In „Lucky Luke sattelt um“ schickte er den lonesome Cowboy auf ein Fahrrad – eine Idee, die Busch, der Zeit seines Lebens technisch interessiert war, sicher amüsiert hätte. Diese Verbindung von Hochkultur und populärem Comic ist das Herzstück von „Mawilhelm“.

Tradition trifft Trend: Warum Mawil heute relevant ist

In der heutigen Comic-Kultur, die oft zwischen komplexen Graphic Novels und flüchtigen Web-Comics schwankt, fungiert Mawil als Ankerpunkt. Die Verleihung des Wilhelm-Busch-Preises durch die Schaumburger Landschaft und ihre Partner unterstreicht die Bedeutung seiner Arbeit für den deutschsprachigen Raum [Quelle: wilhelm-busch-land.de]. Die Ausstellung verdeutlicht, dass die „Buschiaden“ von einst die Vorläufer der Panels von heute sind. Während Busch mit seinen Übersetzungen in über 200 Sprachen eine globale Bildsprache schuf, nutzt Mawil lokale Berliner Eigenheiten, um universelle Gefühle auszudrücken.

Die Kooperation mit Institutionen wie dem Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt zudem, dass der Comic längst aus dem Schatten der „Schmutz- und Schundliteratur“ getreten ist. Mawils Arbeiten werden dort in den Kontext einer Sammlung gestellt, die von Karikatur-Pionieren bis zu modernen Größen reicht [Quelle: visit-hannover.com].

Fazit

„Mawilhelm“ ist kein Blick zurück in Nostalgie, sondern ein lebendiger Beweis für die Kraft der Bildergeschichte. Mawil gelingt es, die satirische Schärfe Buschs mit einer modernen, sehr persönlichen Verletzlichkeit zu paaren. Damit bleibt die Kunstform der Bildergeschichte genau das, was sie bei Busch war: ein Spiegel der Gesellschaft – nur eben heute mit Brille und Hasenohren.

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