

Es heult der Sturm, die Nacht ist graus,
Die Lampe schimmert im Müllerhaus.

Da schleichen drei Räuber wild und stumm
-Huschihusch! pist, pist! – um‘s Haus herum.

Die Müllertochter spinnt allein,
Drei Räuber schaun zum Fenster herein.

Der zweite will Blut, der dritte will Gold.
Der erste der ist dem Mädel hold.

Und als der erste steigt herein
Da hebt das Mädchen den Mühlenstein.

Und – patsch!_der Räuber lebt nicht mehr
Der Mühlstein druckt ihn gar zu sehr

Doch schon erscheint mordgierig = heiter
Und steigt durch‘s Loch der Räuber zweiter

Ha! Hu! – Er ist ehers gewollt
Wie Rollenknaster aufgerollt

Jetzt aber naht mit kühnem Schritte
Voll Goldbegierigkeit der dritte

Schnapp! – ist der Hals ihm eingeklommen;
Er stirbt, weil ihm die Luft benommen.

So starben die drei ganz unverhofft.
O, Jüngling! da schau her!!!
So bringt ein einzig Mädchen oft
Drei Männer in‘s Malheur!!!!
Entstehung und Veröffentlichung
Die Bildergeschichte erschien erstmals 1868 in der Stuttgarter Familienzeitschrift Über Land und Meer (10. Jahrgang, 20. Band, April 1868); 1869 folgten weitere Abdrucke in der Illustrirte Welt. Eine frühe gebundene Ausgabe unter dem Titel Die kühne Müllerstochter. Der Schreihals. Die Prise. brachte der Stuttgarter Verleger Eduard Hallberger um 1874/1875 heraus; später folgten zahlreiche Auflagen, u. a. bei der Deutschen Verlags-Anstalt.
Inhalt
In einer stürmischen Nacht sitzt die Müllerstochter allein im Müllerhaus und spinnt. Drei Räuber spähen nacheinander durchs Fenster und steigen ein: der eine blutrünstig, der zweite geldgierig, der dritte dem Mädchen zugetan. Die Müllerstochter bleibt furchtlos und wehrt sich mit List und Kraft – bis die Eindringlinge allesamt scheitern.
Form und Stil
Die Geschichte ist eine klassische Busch’sche Bilderposse: kurze, pointierte Reimverse werden mit schwarzweißen Federzeichnungen kombiniert. Der Ton ist humoristisch und satirisch, Alltägliches wird ins Groteske überhöht; die Heldin wirkt ungewöhnlich selbstbewusst und tatkräftig.
Bedeutung
Als Teil von Buschs frühen Bildergeschichten zeigt die kühne Müllerstochter bereits jene Mischung aus Reim und Bild, scharfem Witz und drastischer Zuspitzung, die seinen Rang als Pionier der deutschsprachigen Bildergeschichte begründete.
Spätere Ausgaben
Die Erzählung wurde häufig in Sammelbänden mit anderen Busch-Stücken nachgedruckt. Belegt sind u. a. Hallberger-Ausgaben der 1870er Jahre sowie zahlreiche spätere, teils kolorierte Auflagen bei der Deutschen Verlags-Anstalt.
Weiterführende Ressourcen
- Vollständiger Text mit Illustrationen (Auszug) auf einer Busch-Werkseite:
wilhelm-busch.de - Nachweise zur Erstdruck-Serie und zu frühen Buchausgaben:
A.W. Geisenheyner: Bulletin zum Kinderbuch (PDF) - Belegstellen zum Erstdruck in Über Land und Meer (mit Band-/Seitenangaben):
Wikisource-Diskussionsseite - Kontext zu Buschs Bilderpossen (Inhalte und Entstehung, 1864):
Wikipedia: Bilderpossen - Beispielhafte Katalogeinträge späterer Buchausgaben:
AbeBooks: Hallberger-Ausgabe (1875)
Bildnachweis: Fotorealistische Illustrationen Jörg Spieler 2025
Gedichtvertonung
Text: Wilhelm Busch – Musik: mit Hilfe von KI





