Gedichte aus Wilhelm Buschs erster Gedichtsammlung „Kritik des Herzens“, die 1874 bei Bassermann in Heidelberg erschien. Dieser Abschnitt enthält drei der kurzen, ungetitelten Gedichte des Zyklus.
Gestern war in meiner Mütze
Mir mal wieder was nicht recht;
Die Natur schien mir nichts nütze
Und der Mensch erbärmlich schlecht.
Meine Ehgemahlin hab ich
Ganz gehörig angeplärrt,
Drauf aus purem Zorn begab ich
Mich ins Symphoniekonzert.
Doch auch dies war nicht so labend,
Wie ich eigentlich gedacht,
Weil man da den ganzen Abend
Wieder mal Musik gemacht.
*
Also hat es dir gefallen
Hier in dieser schönen Welt;
So daß das Vondannenwallen
Dir nicht sonderlich gefällt.
Laß dich das doch nicht verdrießen.
Wenn du wirklich willst und meinst,
Wirst du wieder aufersprießen;
Nur nicht ganz genau wie einst.
Aber, Alter, das bedenke,
Daß es hier doch manches gibt,
Zum Exempel Gicht und Ränke,
Was im ganzen unbeliebt.
*
Strebst du nach des Himmels Freude
Und du weißt‘s nicht anzufassen,
Sieh nur, was die andern Leute
Mit Vergnügen liegen lassen.
Dicke Steine, altes Eisen
Und mit Sand gefüllte Säcke
Sind den meisten, welche reisen,
Ein entbehrliches Gepäcke.
Laß sie laufen, laß sie rennen;
Nimm, was bleibt, zu deinem Teile.
Nur was sie dir herzlich gönnen,
Dient zu deinem ew‘gen Heile.
Weitere Gedichte aus „Kritik des Herzens“
Quelle
Wilhelm Busch: Kritik des Herzens. Bassermann, Heidelberg 1874. Text nach der Historisch-kritischen Gesamtausgabe (Band 2) über Wikisource.