Die fromme Helene - Erotisch

Wilhelm Busch schrieb nicht nur Bildergeschichten. In seinem Gedichtband Kritik des Herzens, der 1874 erschien, finden sich auch Liebesgedichte. Ob ein Gedicht als erotisch empfunden wird, hängt von der Lesart ab. Besonders deutlich ist das Gedicht, das mit „Wärst du ein Bächlein, ich ein Bach“ beginnt.

„Wärst du ein Bächlein, ich ein Bach“

Das Gedicht steht im 14. Abschnitt von Kritik des Herzens. Die Bilder von Bach, Bett und Zusammenfließen verbinden Naturmetaphorik mit dem Wunsch nach körperlicher Nähe. Gerade weil Busch das Gedicht nicht ausdrücklich erklärt, bleibt der Ton zwischen Zärtlichkeit und Komik offen.

Wärst du ein Bächlein, ich ein Bach,
So eilt ich dir geschwinde nach.
Und wenn ich dich gefunden hätt’
In deinem Blumenuferbett:
Wie wollt ich mich in dich ergießen
Und ganz mit dir zusammenfließen.

Liebeslyrik bei Wilhelm Busch

Die kurzen Gedichte der Sammlung behandeln Liebe, Begehren, Ehe und Enttäuschung in sehr verschiedenen Tonlagen. Viele Texte arbeiten mit Rollen, Übertreibung und einer Pointe. Deshalb ist es genauer, von erotischen Anspielungen und Liebeslyrik zu sprechen als eine Rangliste der „erotischsten“ Wilhelm-Busch-Gedichte aufzustellen.

Quelle

Wilhelm Busch: Kritik des Herzens. Bassermann, Heidelberg 1874. Der Text der verlinkten Ausgabe folgt der Historisch-kritischen Gesamtausgabe.