Max und Moritz-Preis 2026: Posy Simmonds für Lebenswerk geehrt – Jury gibt Nominierungen bekannt

Der Name Wilhelm Busch steht wie kein anderer für die Symbiose aus Wort und Bild. Während Busch im 19. Jahrhundert mit seinen Bildergeschichten den Grundstein für die moderne Comic-Kunst legte, führt der Max und Moritz-Preis diese Tradition heute in die Gegenwart und trägt seit über 40 Jahren wesentlich zur Anerkennung des Comics in Deutschland bei. Für die Verleihung im Jahr 2026 hat die unabhängige Fachjury der Stadt Erlangen nun eine wegweisende Entscheidung getroffen: Der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk geht an die Britin Posy Simmonds.

Posy Simmonds: Grande Dame der britischen Comicszene

Mit Posy Simmonds (*1945) zeichnet die Jury eine Künstlerin aus, die wie kaum eine zweite die literarische Tiefe des Comics ausgelotet hat. Sie begann ihre Karriere als Illustratorin und Cartoonistin, bevor sie Mitte der 1970er-Jahre zur Tageszeitung The Guardian stieß. Den internationalen Durchbruch erlangte sie mit literarisch grundierten Graphic Novels wie Gemma Bovery (einer Aktualisierung von Flauberts „Madame Bovary“), Tamara Drewe und Cassandra Darke.

Simmonds treffsicherer, sehr britischer Humor und ihre psychologisch raffinierten Figurenzeichnungen machen sie zu einer würdigen Nachfolgerin im Geiste Buschs, dessen Werke – man denke an die über 70 Millionen verkauften Exemplare von Max und Moritz – ebenfalls durch satirische Brillanz und genaue Beobachtung menschlicher Schwächen bestachen. Virtuos verknüpft Simmonds Text und Bild, integriert E-Mails oder Zeitungsartikel in ihre Panels und erweitert so den Spielraum der grafischen Literatur.

25 Titel im Rennen um die begehrten Preise

Aus einer Vielzahl von Einreichungen hat die siebenköpfige Experten-Jury 25 Titel nominiert. Diese bilden das breite Spektrum der aktuellen Comic-Kultur ab – von gesellschaftskritischen Werken über berührende Familiengeschichten bis hin zu spannenden Sci-Fi-Abenteuern.

Zu den Nominierten zählen unter anderem:

  • Maren Amini: Ahmadjan und der Wiedehopf (Carlsen) – eine eindrucksvolle Fluchtgeschichte, verwoben mit persischer Dichtung.

  • Mikael Ross: Der verkehrte Himmel (avant-verlag) – ein im Manga-Stil inspirierter Krimi über Menschenhandel und Berliner Teenager.

  • Ulli Lust: Die Frau als Mensch (Reprodukt) – ein wissenschaftlich fundierter Blick auf egalitäre Frühgesellschaften.

  • André Breinbauer: Blutsauger (Carlsen) – eine humorvolle Hommage an klassische Horrorgenres im alten Wien.

Interessierte Leser können Leseproben der nominierten Titel unter www.comic-salon.de/de/nominierungen abrufen; ab Mitte Mai werden dort zudem Videos zu den einzelnen Werken bereitgestellt.

Kategorien und die Fachjury

Am Abend der großen Max und Moritz-Gala am 5. Juni 2026 werden die endgültigen Preisträger in verschiedenen Kategorien verkündet, darunter:

  • Bester deutschsprachiger Comic

  • Bester internationaler Comic

  • Bester Sachcomic

  • Bester Comic für Kinder

  • Bestes deutschsprachiges Comic-Debüt

  • Bester deutschsprachiger Comic-Künstler*in

Zudem wird eine herausragende Publikation aus dem Hochschulbereich gewürdigt und ein Spezialpreis der Jury enthüllt. Die Entscheidung trifft eine hochkarätige Jury, der in diesem Jahr angehören: Catherine Bazabas, Christian Gasser, Andrea Heinze, Katinka Kornacker, Isabel Kreitz, Christine Vogt und Bodo Birk (Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen).

Tradition und Moderne in Erlangen

Der Max und Moritz-Preis wird seit 1984 alle zwei Jahre verliehen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Comics heute als ernstzunehmende literarische Gattung anerkannt sind. Unterstützt wird das Festival in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal von der DATEV eG als Titelsponsor. Wilhelm Busch, der zu Lebzeiten über 30 Bildergeschichten schuf und dessen Werk in über 200 Sprachen übersetzt wurde, hätte an der Vielfalt, die im Juni 2026 in Erlangen präsentiert wird, zweifellos seine helle Freude gehabt.

Zusammenfassung

Die Bekanntgabe der Nominierungen und des Sonderpreises für Posy Simmonds markiert den Auftakt zum bedeutendsten Comic-Event des Jahres im deutschsprachigen Raum. Die sorgfältige Auswahl der Jury unterstreicht den hohen künstlerischen Anspruch der grafischen Literatur, die heute mehr denn je in der Tradition der Busch’schen Erzählkunst steht und gesellschaftlich relevante Themen facettenreich verhandelt.

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